Donnerstag, 20. Januar 2011

Oberstes Gericht kungelt mit Kirche

von Georg Korfmacher*, München

Paradox: Über was unter Ausschluss der Öffentlichkeit am 21.1.2011 im Bundesverfassungsgericht mit Dr. Robert Zollitsch gekungelt werden soll, wird schon vorab herausposaunt (Pressemitteilung Nr. 5/2011 des BVG), nämlich „Die Zuordnung von Staat und Kirche in Deutschland vor dem Hintergrund aktueller laizistischer Bestrebungen“. Dabei hatte doch gerade erst der Papst in seiner Neujahrsbotschaft zum Weltfrieden den Laizismus bereits religionsfeindlichem Fundamentalismus zugeordnet. Schlimmer und eindeutiger kann ja wohl nicht zugeordnet werden. Das allerdings in Kontinuität mit der Aussage eines früheren Papstes, der den Laizismus die Pest seiner Zeit zieh, und gleichzeitig im Widerspruch zur Aussage des jetzigen Papstes, der den positiven Laizismus à la Sarkozy „gut“ findet. Aber vielleicht bringen die klugen Köpfe unserer obersten Richter etwas Ordnung in diesen Wirrwarr. Dabei reden die Herren erst heute auf jeweils allerhöchster Ebene über ein Thema, das bei unseren Nachbarn in Frankreich seit über hundert Jahren Staatsraison ist, nämlich die strikte Trennung von Staat und Kirche.
Gespannt kann man auch sein, was die Herren wohl zum Thema „Religiöse Symbole und Öffentlichkeit“ plaudern, zumal die Catholica während ihrer Eroberung der Welt radikal alle religiösen Symbole Andersdenkender vernichtet hat. Gleichgültig ob die im stillen Kämmerlein oder öffentliche. Aber die Macht wie seinerzeit hat die Catholica heutzutage nicht mehr. Jetzt hat sie Angst, dass es ihr an die Symbole geht.
Aber warum scheut die Catholica bei dem gesellschaftspolitischen Thema Laizismus die Öffentlichkeit? Was hat sie den höchsten Richtern denn zu flüstern, was keiner wissen soll? Zum Thema christliche Nächstenliebe oder anderen schönen Worten aus den Evangelien wird sicherlich nicht geschwätzt.
Unsere höchsten Richter sollten sich auf jeden Fall die Mahnung des grossen Kultur- und Literaturkritikers Johannes Scherr merken: „So oft der Staat ….. mit der Kirche sich einlässt, wird er der verlierende Teil sein“.

* der Autor ist Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft „Laizismus“ in der Partei DIE LINKE in Bayern

Giordano Bruno Stiftung - Regionalgruppe Mittelfranken

Die Giordano Bruno Stiftung sammelt neuste Erkenntnisse der Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften, um ihre Bedeutung für das humanistische Anliegen eines „friedlichen und gleichberechtigten Zusammenlebens der Menschen im Diesseits“ herauszuarbeiten. Ziel der Stiftung ist es, die Grundzüge eines naturalistischen Weltbildes sowie einer säkularen, evolutionär-humanistischen Ethik zu entwickeln und einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die inhaltlichen Arbeitsfelder der Stiftung sind:
  1. Evolutionärer Humanismus/naturalistisches Weltbild
  2. Religionskritik/Säkularismus
  3. Erkenntnistheorie/Wissenschaftstheorie
  4. Ethik
Diese Themenbereiche sind eng miteinander verknüpft. So führen beispielsweise die neusten Erkenntnisse der Neurowissenschaften nicht nur zu einer Stärkung des naturalistischen Weltbildes (Arbeitsfeld 1), sondern liefern auch Argumente für eine interdisziplinäre, d.h. auch naturwissenschaftlich fundierte Religionskritik (Arbeitsfeld 2). Die Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften und ihre religionskritischen Implikationen müssen allerdings wissenschaftstheoretisch reflektiert (Arbeitsfeld 3) und mögliche Konsequenzen auf dem Gebiet der praktischen Ethik bedacht werden (Arbeitsfeld 4).

Die formalen Aufgabengebiete der Stiftung:
  1. Theoretische Arbeit, die über ein interdisziplinäres Netzwerk von Experten verschiedener Profession fördert und entwickelt.
  2. Vermittlung der gewonnenen Erkenntnisse an die Öffentlichkeit durch Pressemitteilungen, die Giordano Bruno Akademie und Auftritte unserer Mitglieder und Förderer in der Öffentlichkeit
  3. Förderung von Forschungs- und Praxisinitiativen, die den Zielsetzungen der Stiftung entsprechen (Deschner-Preis, Projektförderung und -entwicklung)
Zur inhaltlichen Ausrichtung der Stiftung, lesen Sie bitte auch das im Auftrag der GBS geschriebene "Manifest des Evolutionären Humanismus". siehe www.leitkultur-humanismus.de