Die Regionalgruppe der Giordano Bruno Stiftung Mittelfranken und der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) hatten Michael Schmidt-Salomon und seine Tochter Lea Salomon zur Lesung nach Nürnberg eingeladen. Beide haben zusammen ein Buch geschrieben, das eigentlich „Vom Sinn und Unsinn des Lebens“ heißen sollte, am Ende dann aber die Marketing-Abteilung des Verlags unter dem Titel „Leibniz war kein Butterkeks“ verließ. Es ist eine etwas andere Einführung in die Philosophie, nämlich eine für "Dummies", die zwar an der Sache, nicht aber am Jargon interessiert sind. Lea spielt hierbei die Rolle des Dummies, allerdings nicht allzu überzeugend (womit mir sicher ein lupenreines Double-Bind-Kompliment gelungen ist). Wer gleich zu Beginn die Frage stellt, warum es überhaupt etwas gebe und nicht vielmehr nichts, hat zumindest schon begriffen, dass man in der Philosophie gern mit sehr allgemeinen Fragen anfängt. Auch ihre respektlose Verunglimpfung des titelgebenden Philosophen Leibniz und seines berühmten Theodizeeversuchs – „Wir leben in der besten aller möglichen Welten“ – sicherte Lea die Sympathie des Publikums: „Wie bitte? Ich hab ja mittlerweile kapiert, dass Leibniz kein Butterkeks war, aber «einen an der Waffel» hatte der doch schon, oder?“ So boten die Autoren also eine kurzweilige szenische Lesung und stellten die einzelnen Kapitel des Buches knapp vor. Sie überraschten gleich zu Beginn mit einigen intimen Details zur Entstehung Leas, behandelten dann im Weiteren die großen Fragen zu Erkenntnis, Evolution, Sex und Tod, dem Streben nach Glück und dem nach einer besseren Welt. Das Buch transportiert natürlich die Werte des Humanismus und der Aufklärung, für die auch die Giordano Bruno Stiftung einsteht, es plädiert für erkenntnistheoretische Bescheidenheit und bescheidenen Optimismus.
In der folgenden Diskussion ließ Michael Schmidt-Salomon dann aber doch einen sehr viel größeren Optimismus erkennen, und zwar in Bezug auf ein Ende der religiösen Grabenkämpfe: Auch wenn Religion in aller Munde und überall von ihrer Renaissance die Rede ist, so sei es doch inzwischen nicht mehr sexy, als religiös zu gelten, wie Untersuchungen des Erfolgs von Heiratsanzeigen gezeigt hätten. Dies gelte auch für die USA. Zudem glaubten gemäß einer neueren Untersuchung in Deutschland nur noch etwa 5 Prozent der Menschen an eine Auferstehung und nur noch weniger als 30 Prozent an einen personalen Gott. Auch sähen viele Menschen die Vorstellung eines ewigen Lebens im Jenseits zunehmend skeptisch. Sie näherten sich so der Position vieler östlicher Religionen in Bezug auf die Reinkarnation, die ja auch nur Zwischenstufen sind auf dem Weg in das Nirwana, dem ewigen Nichts. Der evolutionäre Humanismus biete auch diesen Menschen einen Vorteil, nämlich ein Instant Nirwana, die sofortige Erlösung.
Optimistisch zeigte er sich auch in Bezug auf eine Integration der westlichen Idee der individuellen Selbstbestimmung und des östlichen Strebens nach Selbstüberwindung. Hier sei eine Synthese wünschenswert. Der westliche Individualismus könne von der östlichen Gelassenheit über Dinge, die nicht zu ändern sind, profitieren. Gleichzeitig sei es an der Zeit, dass im Osten, etwa in China, die eher westlichen individuellen Freiheitsrechte stärker zur Geltung kommen.
Kritisiert wurde das Fehlen von Register und Literaturverzeichnis im Buch. Die Autoren verwiesen auf die Website zum Buch. Dort findet sich auch eine Liste mit Tipps zum Weiterlesen. Eine Anregung aus dem Publikum, vielleicht auch mal eine Negativliste mit Büchern zu veröffentlichen, die zu lesen man sich getrost sparen kann, nahm Schmidt-Salomon dankbar auf. Das nächste Buch sei sowieso etwas kämpferischer und weniger versöhnlich, da könne eine solche Liste gut passen. Man darf gespannt sein. „Leibniz war kein Butterkeks“ sollte auf einer solchen Liste aber auf jeden Fall fehlen.
Harald Stücker