Donnerstag, 5. April 2012

Pressemitteilung: Zug um Zug ins Abseits (Schachturnier Weißenburg)

Christliche Kirchen schränken die Austragung der mittelfränkischen Schachmeisterschaften in Weißenburg ein – Die Giordano Bruno Stiftung ruft zum Austritt auf!

Weißenburg - Zug um Zug begeben sich die beiden christlichen Kirchen weiter ins gesellschaftliche Abseits. Mit ihrer Einschränkung der mittelfränkischen Schachmeisterschaft in Weißenburg zeigen die evangelische und katholische Kirche deutlich, wie weit sie sich inzwischen von der Lebenswirklichkeit der Menschen entfernt haben. Sie sitzen im Loch und graben munter weiter. Die Giordano Bruno Stiftung ruft mit ihrer Aktion „Austritt zum Hasenfest - kollektiver Kirchenaustritt Ostern 2012“ dazu auf die persönlichen Konsequenzen zu ziehen.


Was war passiert? Die seit 1953 stattfindenden Schachmeisterschaften werden vom 2. bis zum 5. April zum zweiten Mal in Weißenburg ausgetragen werden. Eigentlich sollte auch am Karfreitag noch gespielt werden. Um einer erneuten Konfrontation mit den Kirchen aus dem Weg zu gehen, ließ der örtliche Bürgermeister Herr Schröppel die örtlichen Honoratioren über die Austragung des Schachkongresses entscheiden. Der katholische Dekan Konrad Bayerle und der evangelische Pfarrer Gerd Schamberger befanden einhellig, dass Schach und Ostern nicht zusammenpassen und verweigerten ihre Zustimmung. Damit darf am Karfreitag kein Schach gespielt werden. Das Turnier ist wegen des daraus resultierenden Boykotts vieler Schachmeister ein Desaster, das Weißenburger Tagblatt berichtete.

Die vielen großen und kleinen Skandale der beiden großen Glaubensgemeinschaften, wie die Arbeitsbedingungen in kirchlichen Einrichtungen, sexueller Missbrauch durch Geistliche, offene und latente Homophobie und Veruntreuung von Geldern, sind hinlänglich bekannt und bescheren den Kirchen seit Jahren sinkende Mitgliederzahlen und Proteste von Seiten der Zivilgesellschaft. Die Entscheidung für einen schachfreien Karfreitag führt die beiden Amtskirchen dabei weiter Zug um Zug ins Abseits.

Immer noch lassen sich viele Bürger von der Kirche ohne Murren an Karfreitag das Tanzen verbieten. Das Schachverbot allerdings können die wenigsten nachvollziehen. Viele dachten bislang: Ein oder zweimal im Jahr nicht tanzen, das ist kein Opfer, dafür lohnt sich kein Aufstand. Jetzt aber können alle sehen, dass es den Kirchen nicht ums Tanzen geht. So gesehen ist das Schachverbot ein Glücksfall. Mit keiner anderen Maßnahme hätten die Kirchen ihren Anspruch auf kulturelle Hegemonie deutlicher machen können. Beim „stillen“ Feiertag geht es nicht um Ruhe aus Toleranz für die religiösen Gefühle der anderen. Denn niemand fühlt sich wohl durch Lärm belästigter als Schachspieler.

Hier geht es darum, christliche Pflöcke in die Kulturlandschaft zu rammen. Alle haben um den Heiland zu trauern, auch diejenigen, die den Mythos inzwischen nicht mehr ernst nehmen. Es gilt immer noch die Anmaßung von Papst Leo XIII vom 10.1.1890: „Nach göttlichem Recht gebühre es der Kirche und in der Kirche dem Römischen Bischof, in beiden Ordnungen (der bürgerlichen und der kirchlichen) zu bestimmen, was zu glauben und was zu tun sei.“

Dieses Mal haben sich Dekan Bayerle und Pfarrer Schamberger also einen wirklichen Bärendienst geleistet. Mit ihrer kleinlichen Haltung sind sie gleichzeitig Spielverderber für eine Reihe begeisterter Schachspieler und die größten Förderer von Kampagnen wie „Austritt zum Hasenfest - kollektiver Kirchenaustritt Ostern 2012“ der Giordano Bruno Stiftung. Aber auch viele Christen lassen sich nicht mehr so einfach vorschreiben, „was zu tun sei“. Auch für sie ein guter Anlass, intensiver darüber nachzudenken, ob sie sich weiter vorschreiben lassen wollen, „was zu glauben sei“.

Damit steht auch das Thema „stille Tage“ wieder auf der politischen und medialen Agenda. Die Meldung macht bereits bei Twitter und Facebook die Runde, Kommentare bei Zeitungen quellen über. Die längst überfällige Streichung der entsprechenden Paragraphen aus den Gesetzbüchern rückt damit Zug um Zug ein Stückchen näher.

Die Giordano-Bruno-Stiftung steht für die Werte von Humanismus und Aufklärung ein und meldet sich immer dann zu Wort, wenn gegen diese Werte eklatant verstoßen wird.

Giordano Bruno Stiftung - Regionalgruppe Mittelfranken

Die Giordano Bruno Stiftung sammelt neuste Erkenntnisse der Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften, um ihre Bedeutung für das humanistische Anliegen eines „friedlichen und gleichberechtigten Zusammenlebens der Menschen im Diesseits“ herauszuarbeiten. Ziel der Stiftung ist es, die Grundzüge eines naturalistischen Weltbildes sowie einer säkularen, evolutionär-humanistischen Ethik zu entwickeln und einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die inhaltlichen Arbeitsfelder der Stiftung sind:
  1. Evolutionärer Humanismus/naturalistisches Weltbild
  2. Religionskritik/Säkularismus
  3. Erkenntnistheorie/Wissenschaftstheorie
  4. Ethik
Diese Themenbereiche sind eng miteinander verknüpft. So führen beispielsweise die neusten Erkenntnisse der Neurowissenschaften nicht nur zu einer Stärkung des naturalistischen Weltbildes (Arbeitsfeld 1), sondern liefern auch Argumente für eine interdisziplinäre, d.h. auch naturwissenschaftlich fundierte Religionskritik (Arbeitsfeld 2). Die Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften und ihre religionskritischen Implikationen müssen allerdings wissenschaftstheoretisch reflektiert (Arbeitsfeld 3) und mögliche Konsequenzen auf dem Gebiet der praktischen Ethik bedacht werden (Arbeitsfeld 4).

Die formalen Aufgabengebiete der Stiftung:
  1. Theoretische Arbeit, die über ein interdisziplinäres Netzwerk von Experten verschiedener Profession fördert und entwickelt.
  2. Vermittlung der gewonnenen Erkenntnisse an die Öffentlichkeit durch Pressemitteilungen, die Giordano Bruno Akademie und Auftritte unserer Mitglieder und Förderer in der Öffentlichkeit
  3. Förderung von Forschungs- und Praxisinitiativen, die den Zielsetzungen der Stiftung entsprechen (Deschner-Preis, Projektförderung und -entwicklung)
Zur inhaltlichen Ausrichtung der Stiftung, lesen Sie bitte auch das im Auftrag der GBS geschriebene "Manifest des Evolutionären Humanismus". siehe www.leitkultur-humanismus.de